Streit um Fotorechte

Vorgeschichte

Jürgen Onißeit hatte zu Beginn der Strich-Aktion mit seinem Fotoapparat einige Fotos gemacht. Diese sollten die Strich-Tätigkeit für die Strichmaler persönlich festhalten und allenfalls in einer für sie selbst und ihren Freun-
deskreis gefertigten Dokumentation verwertet werden. Damit an die Öf-
fentlichkeit zu gehen war nicht die Absicht, zumal sowieso  nicht davon ausgegangen werden konnte, daß diese Aktion viele Leute interessieren wird. Die Mauermalerei war ja seit Jahren gern gesehen und als kreative Zersetzung der deprimierenden Mauerpräsenz willkommen geheißen und gehörte zum Markenzeichen Berlins.

Während der Aktion gab es gegenüber möglichem medialem Interesse einen mehrheitlichen Konsens, aber keine einheitliche Haltung, sodaß Thomas Onißeit der "BZ" ein Interview gab, während alle anderen Maler sich bewußt verweigerten. Als in der Nähe des Springer-Verlagshauses eine Fotografin die Tätigkeit der Strichmaler mitbekam und fragte, ob sie fotografieren könne gab es keine Einwände. Jürgen Onißeit hörte daraufhin auf, die Strichmaltätigkeit in sporadischen Abständen selbst fotografisch festzuhalten.

Durch meine Verhaftung änderte sich die Position der Strichmaler zum Umgang mit der Öffentlichkeit drastisch, weil die Erzeugung medialer Aufmerksamkeit Druck auf die DDR-Regierung ausüben sollte. Die Medien wurden nun informativ bedient. Die Bilder der Fotografin wurden ohne Urheber-Verweis in einem Dokumentationsheft veröffentlicht, das wäh-
rend einer Solidaritätsveranstaltung verteilt wurde.

Als ich im Mai 1987 aus dem Gefängnis entlassen wurde ging ich anhand der Veröffentlichung  urheberverweisloser Strichaktions-Bilder in der "BZ" und in diesem  Dokumentationsheft  davon aus, daß offenbar nach meiner Inhaftierung zwischen Strichmalern und Fotografin vereinbart worden war, daß eine öffentliche Nutzung der Bilder durch die Strichmaler rücksprache-
los möglich sei, ohne dies genauer zu hinterfragen. 2005 gab ich für ein Buch über Kunst an der Berliner Mauer, für das ich mich unentgeltlich mit Aussagen zur Verfügung gestellt hatte, einige der Bilder an den Buchhe-
rausgeber Ralf Gründer. 

Als Thomas Onißeit 2009 als Mitautor im Buch "Macht aus dem Staat Gurkensalat" und Frank Willmann in der Publikation "Der weisse Strich" ebenfalls ohne Urheberverweis Bilder der unsere Aktion damals be-
gleitenden Fotografin veröffentlichten sah ich mich in der Selbst-
verständlichkeit der den Strichmalern nach meiner Inhaftierung bei Übergabe der Fotos gegebenen Fotonutzungsfreiheit bestätigt.

Doch wie sich Jahre später herausstellte, war diese Selbstverständlichkeit offenbar ein Trugschluß und durch keine tatsächliche Vereinbarung ge-
rechtfertigt.

Die Unterscheidung zwischen der ursprünglichen Absicht der Strichakteu-
re, sich der Öffentlichkeit möglichst zu entziehen und dem im Zuge meiner Festnahme einsetzenden Aufgabe dieser Medienenthaltung führte durch Vermischung beider Absichten teilweise zu Irritationen und Widersprüchen in den Zeugenaussagen, die im Mai 2016 zur Aufklärung der Rechts-und Motivlage beitragen sollten.
 

Der Gerichtsstreit

Im Zuge des Films "Striche ziehen"  kam es zu einem Gerichtsstreit, da Filmemacher Gerd Kroske die 1986 von der damals fotografierenden Person gemachten Bilder in seinem Film verwendete, obwohl diese ihm das nach seiner Anfrage  untersagt hatte.  Kroske hatte die Fotos jedoch bereits in den Film eingearbeitet und sogar schon erste Vorführungstermine für sein Werk und war daher nicht willens, die Entscheidung zu akzeptieren. Offenbar war er durch die ihm bekannten bisherigen Veröffentlichungen der Fotos in den Büchern Gründers, Willmanns Und T.Onißeits davon ausge-
gangen, daß sie ihm die Genehmigung geben würde. Hier zeigt sich jedoch bereits der erste Widerspruch. Wenn die Fotorechte ausschließlich bei den Strichmalern lagen und diese die Fotos rücksprache- und verweislos jederzeit öffentlich verwenden konnten, Gerd Kroske das durch seinen Film-Kontakt mit Aktionsinitiator J.Onißeit, den Autoren F.Willmann und T.Onißeit und Kenntnis von deren Bücher wußte, warum hat er dann die Fotografin überhaupt  um Genehmigung gebeten? Willmanns öffentliche Information, daß alle Bildrechte bei ihm lägen hätte Kroske doch signalisieren müssen, daß eine Anfrage bei der Fotografin gar nicht nötig ist. Auch ein Honorarangebot würde durch eine solche Vereinbarung nicht nötig sein, niemand der vorherigen Bildnutzer hatte ihr ein solches gemacht. Warum hat ihm sein Freund Thomas Onißeit nicht mitgeteilt, daß eine Rücksprache, Genehmigung  und Honoration nicht nötig ist ?

Zwar stellte Gerd Kroske bald eine Version her, in der die Fotos nicht mehr auftauchen, aber bis zu dessen Fertigstellung ließ er einfach die von den Fotos unbereinigten Filme zeigen. Die Fotografin schaltete daraufhin einen Anwalt ein.
Nun ist Kroskes Verwendung der Fotos wie bereits erwähnt nicht die erste gewesen. Neben den oben genannten Büchern, in denen einige Fotos ab-
gedruckt waren wurden sie nach Frank Willmanns Buchveröffentlichung in Fernsehbeiträgen und auf einer Wanderausstellung  gezeigt. Bei einem Themennachmittag  an der Berliner Humboldtuniversität (2009) und bei Hahn/Willmanns Lesungen aus ihrem Buch "Der weisse Strich" wurden sie via Projektor zur Illustrierung verwendet. 2008 wurden drei Fotos bei einer kleinen Kreuzberger Ausstellung über bizarre Mauerkunstaktionen gezeigt, für die ich ein paar Bilder weitergegeben hatte. Hätte ich aufgrund der bisherigen Veröffentlichungen nicht annehmen können, daß das ohne wei-
teres möglich sei, wäre es überhaupt nicht nötig gewesen, diese Bilder zu verwenden und ein Risiko einzugehen. In  meinen Stasi-Unterlagen befand sich genug interessantes Bildmaterial zu der Aktion.

Die Fotografin hatte Kenntnis von den Buch-Veröffentlichungen, aber die Foto-Publikationen, die es vor dem Medienrummel gegeben hatte, der seit Hahn/Willmanns 2011 erschienenem Buch im Gange war interessierten sie gar nicht. Ihr ging es, wie sie mir und wohl auch dem Gericht erklärte ausschließlich um die massive kommerzielle Nutzung innerhalb des medialen Spektakels um den weissen Strich. Die demgegenüber verschwindende
Präsenz in den Büchern von R.Gründer und T.Onißeit, in denen die Strich-
Aktion ohnehin nur einen kleinen Teil des Gesamtinhalts ausmachte war für sie kein Grund, dagegen vorzugehen.
Bei Gerd Kroske kam nun zu dem Sachverhalt der Foto-Veröffentlichung hinzu, daß er damit auch noch gegen die ihm von der Fotografin mitge-
teilte Negativ-Entscheidung gehandelt hat, nachdem er sie wegen der
Nutzung angefragt hatte. Dies war der eigentliche Grund ihres anwalt-
lichen Einschreitens und die Staatsanwaltschaft focussierte sich offen-
bar vor allem darauf. Thomas Onißeit schrieb mir später dazu: "Dann gab es den Punkt, an dem die Fotografin sich gegen jegliche Veröffentlichung sperrte und den Vertrag (über Kroskes Fotonutzungen, d.Verf.))  nicht unterzeichnete. Und da sie ja nun als Urheberin der Fotos bekannt war, hat sie auch ein Mitspracherecht, worüber sich der grosse Regisseur hinweggesetzt hat. Kroske sieht das natürlich anders und droht im Falle des Verlierens, was mittlerweile aus verschiedenen Gründen sehr wahr-
scheinlich ist, uns auf Schadenersatz zu verklagen. Damit ist das ganze Projekt gescheitert und Narzßt Kroske für mich gestorben."
 

Zeugenanhörungen 2016

Schließlich kam es im Mai 2016 zur Anhörung der fünf Mauerstrich-Maler vor dem Berliner Gericht Mitte. Es ging darum, welche Vereinbarungen über die Fotorechtenutzung damals, 1986 getroffen worden waren. Wenn es , wie Willmann in dem von der Fotografin zuvor gegen ihn geführten Prozess behauptet hatte, eine vollständige Überlassung der Bildrechte den Mauer-
malern gegenüber gegeben hätte. dann würde die Fotografin den Prozess vermutlich verlieren. Es fragt sich jedoch, wenn dies 1986 tatsächlich so vereinbart worden war und das dann vermutlich mindestens vom überwie-
genden Teil bezeugt wird, warum die Fotografin dann das Risiko eingeht, den von ihr angestrengten Prozess zu verlieren und alle entstandenen Kosten bezahlen zu müssen. Möglicherweise konnte sie jedoch davon ausgehen, daß es es sich ja um keine schriftliche Vereinbarung handelte, demnach den Strich-Malern außer mündlichen Erklärungen keine beweis-
kräftigeren Belege für ihre Behauptung zur Verfügung stünden. Dann aber wäre jede Form einer mündlichen Zeugenanhörung von vornherein über-
flüssig gewesen.  Auch fragte sich dann, ob zum Beispiel eine einzige abweichende mündliche Aussage überhaupt derart entscheidendes Gewicht bei der Urteilsverkündung hätte, wenn mündliche Aussagen an sich schon die fehlenden schriftlichen Abmachungen in der Beweisführung nicht ersetzen können.

Selbstverständlich hatte es eine solche Vereinbarung nicht gegeben, weil
wir damals bezüglich öffentlicher Fotonutzungen nicht ambitioniert waren.
In seiner Zeugenaussage äußerst sich Jürgen Onißeit entsprechend eindeutig, wenn er sagt, es wäre uns allein um die Aktion gegangen und nicht um irgendwelche Foto-Verwertungen.
Es war davon auszugehen, daß wir die Fotos nach der Aktion bekommen und wenn wir sie für eine unserer -bis dato wenigen-  kleinen Eigen-
verlagsproduktionen verwendet hätten, würde kein Hahn danach krähen. Nicht im Traum hätten wir daran gedacht, diese innerhalb von gross angelegten Dokumentarfilm-, Buch- und Wanderausstellungs-Produktionen der "Hochkultur" zu veröffentlichen. Es hätte ja bis zur Festnahme-
Meldung auch kaum jemanden interessiert.  Das Interview, daß Thomas Onißeit am Frühnachmittag des 3.11. 86 der "BZ" gab hatte am darauffolgenden Tag nicht zur Thematisierung unserer Aktion in dieser Zeitung geführt. Erst durch meine Verhaftung  wurde die Strich-Aktion zum vorübergehenden medialen Spektakel. Festnahmetragik und Solidarisierungsabsicht waren die Gründe dafür. Und an dieses Spektakelhafte knüpfte der seit Hahn/Willmanns 2011 erschie-
nenem Buch einsetzende Aufarbeitungs-"Hype" um die Aktion an und wurde dabei zusätzlich befeuert durch die seit Mauerfall nach und nach einsetzenden Historisierungsabsichten von allen Ereignissen der realsozialistischen Ära, mit denen sich irgendwie Geschichte schreiben läßt. Da es ja neue innerkommunsitsich opponente Ereignisse aufgrund des Endes des Realsozialismus nicht mehr gibt werden die vorhandenen umso mehr beachtet und gepflegt, sprich, überbewertet.

Ich habe im Mai 2016 vor Gericht wahrheitsgemäß ausgesagt, daß ich mich an eine Fotorechteübertretung der Fotografin an uns nicht erinnern kann und eine solche auch nicht für wahrscheinlich halte, da es nicht dem entsprach, wie wir bezüglich Medialisierung damals "unterwegs" waren. Als ich Jürgen Onißeit während einer Autofahrt 2014 mangels eigener Erin-
nerung an eine solche Vereinbarung fragte, ob er sich an eine mündliche Gehehmigung oder Rechtevereinbahrung erinnern kann, zumal er damals als Aktionsinitiator und zentrale Person der Gruppe auf jeden fall auch ein primärer Ansprechpartner für solche Dinge war, mußte er passen. Mit seiner  og. Aussage vor Gericht hat er diese fehlenden Vereinbarungs-
gespräche dann auch offiziell bestätigt.
Interessant am Tag der Zeugenanhörung war auch das Detail, daß auf Kroskes Unterlagenstapel das Buch über Berliner Mauerkunst, für das ich
Jahre zuvor einige Bilder weitergeben hatte, ganz oben auf lag, sodaß es meinem Blick während der Zeugenanhörung nicht entgehen sollte. Es handelte sich eindeutig um einen Versuch, meiner Aussage ein wenig auf die "Sprünge" zu helfen in der Weise, daß es doch sicher auch für mich günstiger wäre, mich in einebestimmte, dem Angeklagten Kroske dienliche 
Richtung zu erinnern, ansonsten bekäme ich dann doch aufgrund meiner Fotoweitergabe selbst ein Problem. Dabei war die Dimension des Verstoßes
überhaupt nicht vergleichbar. Ich hatte weder eine Entscheidung der Fotografin ignoriert noch als Autor gehandelt noch irgendeinen Profit aus der Weitergabe gezogen. Dennoch sollte mich die Präsentation des Buches auf Kroskes Stapel in meiner Aussage beeinflussen. Doch fragt sich, wenn die Sache mit der damaligen Vereinbarung über die Nutzung so klar war 
und die anderen dies Kroske erklärt hatten, warum mußte er dann meine Aussage mit der Präsentation dieses Buches nachhelfen ? Die Antwort hat diese Präsentation selbst gegeben und er hat sich damit letztlich selbst verraten. Es gab diese Vereinbarung einfach nicht. Nichts desto trotz
ist dieses Verhalten auch nachvollziehbar, denn als Verklagter wollte er alle Register ziehen, die ihn in eine günstigere Lage bringen.

Problematik zukünftiger Reichweiten

Was nach meiner Festnahme möglicherweise vereinbart worden ist konnte ich ja nur anhand der Fotonutzungen vermuten. Selbst wenn wir via mündliche Zusage die Fotos verwenden konnten, so muß man immer den Kontext, in welchem ein solches "Ok" gegeben wurde berücksichtigen. Die Fotografin konnte ja anhand dessen, wie wir damals eingestellt waren nicht davon ausgehen, daß ihre Fotos einmal als massive Illustration der ins Zentrum gestellten Strich-Aktion innerhalb landesweit präsentierter
Aufarbeitungsprodukte wie Wanderausstellung, Buch und Dokumentarfilm gezeigt würden. Ähnliches habe ich erlebt, als ich mich einmal bei einem privaten Spaziergang an der Mauer von Frank Willmann vor dem Mauer-
türchen fotografieren lassen habe, ohne zu ahnen, daß dieser, der damals mit eigener journalistischer Tätigkeit nichts zu tun hatte, dieses Foto 25 Jahre später als Buchautor auf der Webseite des Magazins "Der Spiegel" veröffentlichen lassen wird, ohne mich vorher zu fragen. Es war mir egal. Aber man ist nicht verpflichtet, im Moment einer durch Teilnahme signa-
lisierten Einwilligung automatisch alle, also auch die zu diesem Zeitpunkt unvorstellbarsten Dimensionen zukunftiger Verwendung zu berücksichtigen und hat ein Recht, solche unvermutbaren Reichweite-Überschreitungen auf Wunsch unterbinden zu lassen.

Gekaufte Aussage ?  Bezahlte Gedächtnislücke ?

Obwohl ich nicht einmal aktiv eine Fotorechte-Vereinbarung mit der Fotografin dementierte, sondern diese lediglich nicht bestätigen konnte wurde ich nach meiner getätigten Zeugenaussage von Frank Willmann und Gerd Kroske als gekaufter Zeuge bezeichnet, weil gegen mich wegen der von mir weitergegebenen Bilder in Ralph Gründers Mauerkunstbuch angeblich Rechtsansprüche bestünden, die aber fallengelassen werden könnten, wenn ich mich im Sinne der Klägerin äußere. So die Logik der Herren. Warum gegen Thomas Onißeit aufgrund seiner Fotonutzungen aus derselben Quelle in seinem Buch ebenfalls keine Rechtsansprüche geltend gemacht worden sind wollen sich die beiden gar nicht erst fragen. Die Antwort, daß sein Buch ebenso wie das Mauerkunstbuch, für das ich Bilder weitergegeben habe noch vor dem großen Mauer-Strich-Hype erschien und die Fotos dort auch nur marginal auftauchten würde nicht in ihre Argumentation passen. Im Unterschied zu T.Onißeit war ich zudem auch noch nichtmal Autor des Buches. Für Urheberrechte-Klärungen sind aber immer Autor und Verlag und nicht Materialgeber zuständig. Andernfalls hätte auch Jürgen Onißeit, der Kroske die Fotos gegeben hatte, ein Problem bekommen können. Weil Kroske diesen rechtlichen Sachverhalt offenbar kannte sprach er bei seinen Vorwürfen gegen mich auch absurderweise  von "Deinem Verlag", obwohl man ich wie erwähnt gar nicht Autor des Buches, sondern  nur ein Interviewpartner des Autors gewesen bin. 
Es gab auch sonst keinerlei logische Gründe, mich kaufen zu lassen. 
Wenn das mündliche Zeugenwort ohne eine schriftlichen oder anderen Beweis sowieso kein Gewicht hat, wieso legt man seitens des Beschul-
digten  dann so einen erheblichen Entscheidungs-Wert auf (m)eine Zeugenaussage, deren Aussage-Gehalt zudem keine Mehrheit unter den Zeugenaussagen darstellt, da F. Schuster, T.Onißeit und Willmann für Kroske aussagten, was schondeshhalb nachvollziehbar ist, weil sie Teilnehmer in seinem Film waren. (Jürgen Onißeits Aussage bleibt un-
klr, da er dem Gericht später noch eine andere Version als die von ihm 
mündlich ausgesagte zugesndet hat). 
Wenn aber die mündliche Aussage bei der Entscheidungsfindung dann maßgeblich sein kann, weil andere Beweise nicht erbracht werden können, warum muß ich mich dann, um wegen meiner Bildweitergabe selbst nicht belangt werden zu können, "kaufen" lassen ? Wenn ich eine mündliche Überlassung der Bildrechte an uns erinnere und das in der Gewißheit, daß meine Mitakteure dies ja dann sicher genauso erinnern werden und bei der Wahrheitsermittlung die Mehrheit einer bestimmten Bezeugungsposition die fehlenden schriftlichen Beweise ersetzt so scheidet die Käuflichkeitsver-
sion bereits aus logischen Gründen aus.

Es ist im Grunde sehr einfach: wenn nur die schriftliche Verein-
barung  zählt, dann hatte es die Fotografin ohnehin nicht nötig, Zeugenanhörungen zu fordern oder gar, wie weiter unten thema-
tsiert, Zeugen zu beeinflussen, da sie ohne schriftliche Nutzungs-
überlassung weiterhin alle Rechte an ihren Bildern hat. Wenn aber mangels Schriftsücken stattdessen mündliche Aussagen für die richterliche Wahrheitsfindung relevant werden dann ist der Versuch, sich von fünf Zeugen einen zu kaufen, der dann der mehrheitlichen
Bezeugung nicht entspricht, ohne jedoch die Minoritätsposition seiner Aussage dann mit realen Beweisstücken kompensieren zu können, völlig nutzlos.

Wenn mir die Fotografin in einer Mail schreibt, sie verfolge nur die mas-
siven Nutzungen seit 2011 so gibt sie mir erst recht alle Freiheiten, die Wahrheit zu sagen, denn wie könnte sie dann noch gegen mich vorgehen
können, sollte ich vor Gericht gegen ihre Position aussagen. Iim Herbst 2015 schrieb sie mir außerdem, daß Sie es als faire Geste emfände, "wenn Sie bis zur Klärung des Rechtsstreits um das Copyright mein Foto von ihrer Internetseite herunternehmen." Was ich daraufhin auch tat und mich damit -im Gegensatz zu Gerd Kroske- nicht einfach über den Wunsch und Willen der Fotografin hinwegsetzte. Wäre ich mir derart sicher gewesen, daß wir damals vereinbart hätten, alle Veröffentlichungsrechte an den Fotos zu haben hätte ich ihr Anliegen als vermessen abgetan und ihr gegenüber meine Enttäuschung über ihren Wortbruch geäußert.

Wenn man sich vergewärtigt, daß Jürgen Onißeit ohne das Auftauchen der Fotografin einfach weiter wie bsiher selbst fotografiert hätte und die 
Mauermaler damit später ohne jegliche Komplikationen auf ihre eigenen Bilder hätten zurückgreifen können so ist dieser Streit letztlich völlig
unnötig und auch bedauerlich.
Könnte man jedenfalls annehmen. Doch dem ist ganz und gar nicht so. Denn angesichts der jüngeren medialen Auswüchse,  die über jedes in-
formierende Maß hinaus die Strich-Aktion in den Rang eines herausra-
genden politischen Kunstmonuments heben, dessen nachträgliche Über-
höhung unserer Motivlage von damals diametral entgegengesetzt sind wäre die Verfügung über eine Vielzahl eigener Bilder letztlich die grössere Tragödie. Würde sie doch diesen Aufbausch in die politpopulariserende Richtung auch noch üppig illustrieren.

Für mich persönlich ist daher der tiefere Grund für den Streit wegen der Fotorechte der, daß sich auf diese Weise die Vergangenheit der damaligen Ereignisse ein bischen gegen ihren Mißbrauch durch die politischen und künstlerischen  Aufwertungs-Ansprüche der Gegenwart zur Wehr gesetzt hat. Vor allem wegen dieser Überbewertung, die denen auffallen mußte, die nicht im Fahrwasser der medialen Spektakelei den Blick für die dama-
ligen Beweggründe und Reichweite-Absichten verloren haben, ist die Fo-
tografin überhaupt erst gegen die Verwendung der von ihr gemachten Fotos so entschieden vorgegangen.

Die hier beschriebenen, wesentlichen Aspekte zu diesem hässlichen Thema habe ich Thomas Onißeit im Dezember 2016 in einer Mail geschrieben. Aus seiner darauf folgeden Antwort zitiere ich zum Abschluß dieses Textes.

"Fast alles, was Du geschrieben hast ist richtig. Bis auf einen erhebliche Unterstellung, ich habe niemals behauptet oder bezeugt, dass Du gekauft bist. Im Gegenteil, ich habe es als abstrus abgetan. Ich habe lediglich nach Prozessende, den im allgemeinen Gemurmel gefallenen Satz bezeugt, daß die Fotografin nicht gegen Dich vorgehen wird. Alles weitere wurde konstruieiert, insbesondere von Kroske."

( Personenname durch das Wort "Fotografin" ersetzt)
 


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