Der Film "Striche ziehen"
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Man hatte es ja fast erwartet. Die Ambitionen nach multimedialer Thematisierung der weissen Strich-Aktion würde neben Buch, Wanderausstellung, Interviews, Kulturmagazin-Beiträgen schliesslich auch einen Dokumentarfilm auf den Aufarbeitungs- Marktplatz bringen. Unter dem Titel "Striche ziehen" ist er Mitte der Zehner Jahre erschienen. Ich habe ihn zum ersten Mal im Dezember 2016 im MDR gesehen.
Es geht in dem Film nur marginal um die Strichaktion, obwohl soviel hätte dazu erzählt werden können. Zum Beispiel über die Hinter-
gründe: Der Bau der Mauer nun geschildert aus einer endlich relativ ideologieunabhängigen, von der Absicht der Zersetzung des gegne-
rischen Gesellschaftssystems freien Sicht. Auch die Westberliner Situation der 80er Jahre  sowie Motivationen und Ausbreitungsverlauf der massenhaften Mauermalereien in den frühen und mittleren 80er Jahren hätte dokumentiert werden können.
Statt dessen wird der Film zum subkulturellen Milieustreifen einer Alternativszene in dem Dichter-Klassiker-Städtchen Weimar, aus der sich später die fünf Strichezieher als angeblich feste Künstlergruppe bildeten, deren Besetzung bei der Strich-Aktion deshalb angeblich alternativlos war. Der Zuschauer muß so die "Regionalisierung" einer Aktion zur Kenntnis nehmen, die hinsichtlich möglicher Personen-
beteiligung absolut überregional orientiert war und mit Ausnahme des Initiators durchaus auch durch andere Personen hätte besetzt werden können.

Nachdem ich „Striche ziehen“ Ende 2016 im MDR-Fernsehen gesehen habe behaupte ich, daß es viel treffender gewesen wäre, diesen Doku-Streifen  „Der Bruderverrat“ oder „Weimars Subkultur der 80er Jahre“ zu nennen. Denn der Film behandelt vor allem genau diese beiden Themen und hat mit dem weissen Strich im Grunde ausge-
rechnet nur dann wenigstens ein bißchen etwas zu tun, wenn er in seinen wenigen darüber handelnden Erzählungen auch noch ziemlich oder sogar völlig daneben liegt. Zudem fühlt sich der Film spätestens ab der Hälfte tendenziell wie eine Statement-Aneinanderreihung an, auch wenn dem Zuschauer durch szenische Einsprengsel immer mal wieder Zeit zum Luftholen gegeben wird, bevor es in die nächste Statement-Runde geht. Daß sich diese Äußerungen immer um Wei-
mar, Punk, Stasi, Verrat und selten um Strich-Aktion, gar nie um Leben in der Mauerstadt und deren  Wahrnehmung drehen ist zwar schade, aber aufgrund der von Willmann und den Medien zuvor ge-
nerierten Bedeutungsrichtung letztlich nur konsequent.

Brennstoffhilfe vom MfS

Die rote Linie des Films ist im Grunde darauf ausgerichtet, den weissen Strich schnurgeradewegs  zurück ins Weimarer Subkultur-
Milieu der 80er Jahre führen zu lassen, um nach dessen Porträtierung direkt auf die Protagonisten des beabsichtigten Film-Zentrums zu zoomen: der Auseinandersetzung der Brüder Onisseits über den Verrat des einen am anderen und dessen Freunden. Jürgen, der im Film als der MfS-Informant interviewt wird , der er durch seine Kontakte mit dem MfS auch real gewesen ist, erzählt von vornherein unkaschiert von der Situation, in der er sich befand, als man erfolgreich versuchte, ihn als Internen Mitarbeiter der Staatssicherheit anzuwerben. Mit den 125 Ostmark Lehrgeld sei kein wirkliches Aus-
kommen gewesen, zumal mit Kind und erst recht im Winter, wo zu den notwendigen Lebensmitteln noch Kohlen für den Ofen gekauft werden mußten. 
Einerseits hört es sich wie ein Vorwand an, denn wenn in der DDR etwas nahezu hundertprozentig abgeschafft war, dann der Kälte- und Hungertod, schliesslich lebte man im S o z i a l ismus und der wollte wenigstens in dieser Hinsicht seinem Namen alle Ehre  machen. Auch klingen die 125 Mark weniger, als sie in Wirklichkeit waren. Die Miete betrug circa 50 bis 90 Pfennig pro Quadratmeter, eine Busfahrt und ein Brötchen kosteten ein paar Pfennige, die Grundnahrungsmittel waren aufgrund der staatlichen Subventionen sehr preiswert. Daß Jürgen Onisseit hier drastische Existenznot anführt, um seine Ent-
scheidung mit der Unfreiwilligkeit eines puren Überlebenszwanges zu begründen wirkt wie eine sich vor sich selbst und der Öffentlichkeit entlastende Konstruktion, andererseits gehörte zu dem, was er mit der Metapher "Kohlengeld" als puren Überlebenskampf suggerieren will natürlich auch die Finanzierung seiner Alkoholsucht, die als eben Sucht die unfreiwilligen Züge annimmt, welche unter suchtfreien Um-
ständen nur die Grundbedürfnisse Essen, Schlafen, Wohnen charakte-
risieren.
Doch Überlebenskampf hin oder her, sich deshalb mit der Stasi einzulassen und das auch noch, obwohl man längst auf der Gegenseite der gesellschaftlichen Mächte agiert, ist eben völlig inakzeptabel, aber nun auch nicht mehr zu ändern oder gar zu ent-schuldigen. Die Schuld bleibt und ist durch nichts wieder zu nehmen. Allerdings kann man nach all der inzwischen vergangenen Zeit versuchen, entspannt damit umzugehen.

Zu diesem ganzen Thema seiner Einlassung redet Onne in Kroskes Film nicht um den heissen Brei: Sein Statement, daß er die Einwil-
ligung von der Zusage von Honorierung abhängig machte, ist unumwunden.
Geldmotive angegeben hatte Onne auch bereits 2010 gegenüber Frank Willmann und seinem Bruder Thomas, nachdem seine MfS-Tätigleit schließlich nicht mehr zu verbergen war, aber da die beiden ihm offenbar nicht glauben wollten, daß er sich mangels optimaler Mitarbeit die ganze Zeit nur im test-orientierten Vorlauf-Stadium eines IMs befand und auch nicht bereit war, einen Verrat einzugestehen, der unter der elementaren Voraussetzung des
tatsächlichen Wissens so auch gar nicht stattgefunden hatte, war der Eklat perfekt. "Wir wollten ihn doch nicht vor ein Tribunal zerren, sondern nur wissen, warum er es gemacht hat, aber wenn er es nicht sagt, soll er eben in seinem Waldgrundstück verschimmeln" äußert Frank Willmann sinngemäß in Kroskes Film, obwohl ihm Onne sein Motiv zur Zusammenarbeit mit dem MfS bereits 2010 genannt hatte.
Und damit ist auch schon das zentrale Dilemma des Films markiert: der permanente Versuch, Jürgen Onisseit den festgelegten Platz zuzuweisen: den des Mauerers, der seine Beweggründe nicht nennt, obwohl er es längst getan hatte und der seinen Verrat nicht gesteht, obwohl man nur verraten kann, was man weiß. Anscheinend würde man ihm gern verzeihen wollen, aber dazu müßte er sich verdammt nochmal erstmal in ihrem Sinne schuldig fühlen.
So manövriert sich der Film letztlich immer mehr auf ein Schachbrett, auf dem die Figuren Unschuld und Schuld, Opfer und Täter, Bohren und Dagegenhalten sich schliesslich mit einem Patt trennen. Daß eine so private emotionale Angelegenheit wie die Klärung eines Bruder-
verrats überhaupt erst vor der Kamera zum ersten Mal stattfindet hat im übrigen einen schlechten Geschmack, der vor lauter Appetit auf allen Seiten (den Zuschauern und den Aufklärern) offenbar von dem
meisten ganz und gar nicht als schlecht wahrgenommen wird.

Bruderverrat

Der zentrale Streitpunkt des Bruderdisputs ist der, daß Jürgen sich nicht zu einem Verrat der Protagonisten einer im Oktober 1983 stattgefundenen Sprüche-Sprüherei an Weimars Fassaden bekennen will, weil er die Beteiligten nur gemutmasst und dabei bei einigen von ihnen „ins Schwarze“ getroffen hatte. Eine Aussage, die man ihm nach Ansicht der Protokolle durchaus glauben muß, denn nach denen ist er in erster Linie damit beschäftigt, den Verdachts-Focus auf seine Freunde aus seiner Punkband zu entkräften und verweist deshalb spekulativ, aber aufgrund seiner Szene-Kenntnisse auch nicht völlig beliebig, auf andere, miteinander befreundete Personen, die er namentlich nennt, darunter auch solche, die an der Sprühaktion nicht teilnahmen. Hätte er von der Aktion und seinen Akteuren tatsächlich gewusst, würde er sicher auch nur die Namen gesagt haben, die tatsächlich anwesend waren. Seine Spekulation hätte sich durchaus auch komplett als nicht zutreffend  erweisen können. Daß seine Aussage dem MfS bei der Aufklärung  erheblich mitgeholfen hat, macht daraus noch keinen Verrat und damit ist es dann tatsächlich auch zuviel verlangt, von Onne ein Geständnis und daraufhin die Bitte um Ent-Schuldigung zu erwarten, zumal Schuld dieser Art  niemals ent-schuldigt werden kann und sich vor allem dann als Heuchelei erweist, wenn sie, solange nur als Geste gefordert, nur das formal eingesetzte Tauschmittel für Vergebung ist. Doch wer will jemals ermessen können, wann die formale, emotionsgeheuchelte Geste aufhört und an ihre Stelle tatsächliche Gefühle treten. Wer sich hingegen mit einem Formalismus bereits zufrieden gibt -was ich Thomas Onißeit hier nicht unterstelle, aber die für eine solche
private, emotional tiefe Angelegenheit letztlich oberflächliche Kamera-Situation läßt eine echte Subtilität gar nicht zu - der hat letztlich nichts anderes verdient als bloß eine formale Geste, deren
Hintergrund ihm unklar bleiben wird.
 
 

Brüche, Wider-Sprüche

Es relativiert und rechtfertigt keinen Verrat, wenn man die Frage stellt: Haben die Sprühakteure nicht vorher gewusst, daß eine nach DDR-Gesetz illegale Handlung den Verfolgungsapparat auf den Plan rufen und solange nicht zur Ruhe kommen lassen wird, bis die Tat aufgeklärt ist? Und daß das im Vergleich zu zuvor stattgefundenen, ähnlichen, aber vergleichsweise glimpflich behandelten Aktionen hohe quantitative Maß und der Inhalt mancher Parolen nicht eben angetan waren, von der politischen Polizei der Diktatur anzunehmen, daß sie in diesem Fall bloß eine Verwarnung erteilt.
Wieviele politische Straftaten blieben in der DDR unaufgeklärt?
Welche ungebrochenen Perspektiven hatten die damaligen Akteure  überhaupt als Punks oder anderweitige „Outlaws“ in der DDR? Sollte das alles nur ein spätpubertärer Ausflug in die Nonkonformität werden, von dem man später nach Hause zurück in die DDR-Norma-
lität und ihre vorgesehehen Laufbahnen fährt ? Bedeutet politische Haft, wenn sie Folge ernsthaft gemeinter Opposition gewesen ist, nicht vielmehr die Kontinuität und Radikalisierung von Opposition auf Kosten einer biographischen Normalitäts-Garantie ? Was hat das Bedauern über bestimmte Kontinuitätsbrüche in der Biographie ei-
gentlich mit Punk, überhaupt mit modernem Leben zu tun? Ist die nach oder in der Haft erfolgte Übersiedlung in die Bundesrepublik ein biographischer Bruch oder nicht viel eher ein biographischer Sprung gewesen, gesprungen über den tiefen Graben, der in der DDR zwi-
schen Anspruch und  Wirklichkeit, blossem Existieren und tat-
sächlicher freier Entwicklung lag und der nicht zufällig bis zu Gorbatschows Glasnost-Offensive von innen heraus nicht zu beheben war? In einem radikal diktatorischen Gesellschaftssystem, einem 
Ausschließungssystem gibt es zur radikalen Opposition keine Alternative. 
Daß es oft auch zu erzwungenen Brüchen kam, deren Folgen unvor-
hersehbar und dramatisch verliefen, also keineswegs irgendeine 
Tür öffneten außer diejenige in die Misere ist damit überhaupt nicht bestritten. 

Ich zweifle lediglich die Selbstverständlichkeit an, mit der jeder mehr oder weniger unfreiwillig erfolgte Bruch in der Lebensbiographie als automatisch negativ betrachtet wird und das vor allem dort, wo die persönliche Zukunftsdisposition sowieso mit Kontituitätsvorstellun-
gen gebrochen zu haben scheint. 
 

Bruderverrat und Vernehmung

Bei der Aufklärung zu der damaligen Sprühaktion Ende Oktober 1983 bin auch ich damals vernommen worden. Nachdem ich in der Nacht zum Montag gerade von einem zweitägigen Festival aus Jena zu-
rückkam wurde ich von der Polizei um Mitternacht auf dem Weimarer Goetheplatz verhaftet und ins Präsidium gebracht. In einem Verneh-
merraum mußte ich bis morgens 8 Uhr auf einem Stuhl sitzen. Während ich inzwischen todmüde war, kam mein Vernehmer am Morgen ausgeschlafen und hochmotiviert ins Vernehmungs- Zimmer und bombardierte mich gleich mit allerlei Drohungen. Da man mir ja  wo nichts gewesen war auch nichts beweisen würde können prallte das alles an mir ab, aber wie ernst es meinem Gegenüber mit vorweisbaren Aufklärungsergebnissen war spürte ich bereits nach wenigen Augenblicken. Nach erfolgreicher Blockade, die bis nach Mittag anhielt machte ich am Nachmittag jedoch einen Fehler, indem ich,  genervt von den immergleichen Fragen,  dem Vernehmer entgegnete:  "Was machen sie eigentlich so ein Theater wegen so ein paar harmloser Parolen.“  Worauf er schloß, daß ich zumindest einen Teil der Parolen kannte. Zum ersten Mal hatte ich plötzlich ein Problem. Ich redete mich heraus, ich wisse die Parolen gar nicht, lediglich die, die er mir am Morgen noch selbst gesagt habe (was er wiederum abstritt),  es sei ohnehin nur so dahergesagt. Aber er wollte, daß ich gestehe oder ihm sage, woher ich die Parolen wisse. Die Situation zog sich in ihrem starrsinnigen Wiederholungsmodus dahin, aber der Druck und die Erschöpfung nahmen zu, ich war jetzt seit etwa 32 Stunden ohne Schlaf. Ich sagte nun aus, daß ich einige der gesprühten Sprüche von Thomas Onisseit erfahren hätte. Thomas hatte mir ein paar der Parolen im Cafe "Resi" erzählt, wo er sie unverantwortlicherweise weitergegeben hatte. Unverantwortlich deshalb, weil man – wie uns schon diverse Widerstandspraktiken aus anderen Diktaturen überlieferten - seine Freunde und Bekannten nicht mit solcherlei Wissen befrachtet.  Dazu möchte ich - Thomas Onißeits Verhalten erklärend - jedoch noch eine kleine Anmerkung machen.

Moderne versus Stalinismus: ein Paradox. 

Zu  Thomas Onißeits Verantwortungslosigkeit gesellte sich das Paradox, sich einerseits sehr bewußt darüber gewesen zu sein, in einem Überwachungsstaat zu leben, andererseits aber im über-
wachten öffentlichen Raum seine strafrechtlich verfolgbaren Aktivitäten auszuplaudern. In besagtem Cafe „Resi“ gab es Spitzel, darunter anonyme Mithörer ebenso wie Szene-Bekannte und Freunde, was wir damals auch annahmen und uns später bestätigt wurde. Ich oder ein hellhöriger Tischnachbar hätte ein solcher Spitzel sein kön-
nen. Ich führe Thomas Onißeits Verhalten auf die Ambivalenz der damaligen gesellschaftlichen Situation zurück, die durch folgende Situation gekennzeichnet war: Die offizielle Seite der Gesellschaft befand sich im diktatorischen Modus der stalinistischen Nachkriegs-
gesellschaft mit all ihren Überwachungs-und Repressionsmechanis-
men. Die inoffizielle, aber sehr reale Seite der Gesellschaft, insbe-
sondere ein zunehmend grösser werdender Teil der Jugend war in der freien Moderne angekommen und lebte daher einen vergleichsweise lockeren Umgang mit den gesellschaftlichen Verhältnissen, drängte nach materiellen und ideellen Realitäten, die ihrem Bedürfnis nach Moderne entsprechen würden. Auf die stalinistische Nachkriegsge-
sellschaft mit organisierter Konspiration zu antworten schien dieser modernen Jugend das falsche Mittel: Einerseits, weil Konspiration in ihrer strengen Organisiertheit und Ernsthaftigkeit der Art und Weise des Systems zu sehr glichen, zum zweiten, weil sie den letzten Rest an Spaß aus dem ohnehin schon von Maßregelung und Steifheit ge-
kennzeichneten Leben nahmen. An die Stelle solcher Anachronismen setzten zunehmende Teile der Jugend immer mehr auf das Risiko echter Freiheit: spontan, unkonspirativ, unverhohlen. So kam es zu dem Paradox, daß man mitten in einer totalen, vormodernen Repres-
sionsgesellschaft nicht in der Weise auf sie reagierte, wie es zur eigenen Sicherheit eigentlich notwendig war. Was dazu führte, daß spontanes Abweichungsverhalten ( Ausdruck tatsächlicher Freiheit) von der auf absoluten Feindseligkeitsmodus programmierten Über-
wachungs-Bürokratie in stalinistischer Manier überbewertet und ent-
sprechend drastischsanktioniert wurde.
In ihrer Abwendung von Geheimnistuerei und konspirativer Anony-
mität zeigten Teile der Jugend bereits äußerlich ihren Nonkonfor-
mismus und signalisierten damit auch, daß Veränderung nicht bloß Sache des Bewußtseins, sondern eben des gesamten Lebens und seiner Manifestationen ist: Der Kleidung, Lebensführung, dem kul-
turellen Geschmack, der Selbstverständlichkeit menschlicher Freiheit und Offenheit usw. Da eine solche Lebensweise den Nonkonformis-
mus viel umfassender, breiter artikulierte als eine lediglich kopfge-
steuerte, realpolitische Opposition mußte das die Ordnungshüter im Grunde viel mehr geärgert haben als jede noch so zersetzungswillige geistige Dissidenz, auch wenn dieser wegen ihrer Geheimnishaftigkeit stärker der Geruch des staatsfeindlichen, organisierten Bösen anhaf-
tete. 
Thomas Onißeits unverantwortliche Indiskretion ist der hier beschrie-
benen paradoxen Situation zwischen Repressionssystem und moder-
ner Freiheit geschuldet. Für letztere galt: Ende der Konspiration und totalen Organisation. Ende der Geheimnistuerei. Freiheit oder Tod. Offenheit oder Nichtsein. Vielleicht ist die Vehemenz, mit der er später seinen Bruder zum eindeutigen Verräter seiner damaligen
haftsanktionierten Handlung machen will auch ein bißchen eine sich von dieser fatalen Unbedarftheit selbst entlastende Umleitung der Verhaftungs-Ursachen in eine einzige Richtung. 

Widerstandkämpfer unter dem Nationalsozialismus zum Beispiel haben  gerade aus dem Bewußtsein darüber, daß sie sich in einer Dikatur befinden über ihre Vorhaben und Aktivitäten mit anderen außer ihren Mitakteuren nicht gesprochen.

Am Ende konnte es der Dikatur nur recht sein, daß einige ihrer Bürger sich gewisse Freiheiten herausnahmen, die sie für den Überwachungs-
apparat leichter erkennbar und im Strafrechtsfall dann mitunter auch leichter überführbar machten. 

Gegenüberstellung

Schließlich kam es an jenem Montag Spätnachmittag zu einer Gegen-
überstellung zwischen mir und Thomas Onisseit, den sie, nachdem ich ausgesagt hatte, von ihm ein paar der gesprühten Parolen erfahren zu haben, ins Polizeipräsidium gebracht hatten. Er stritt ab, ich wie-
derholte. Er stritt ab, ich wiederholte. Sie behielten ihn schließlich da, mich entließ man am Frühabend. Völlig erschöpft ging ich nach Hause und erzählte meinem Mitbewohner Volker von den gerade geschehe-
nen Ereignissen. Ich wollte es nicht für mich behalten.
Von Thomas Onißeit habe ich erst wieder erfahren, als ich mich drei Monate später selbst in Untersuchungs-Haft befand. Sein Zellenmit-
insasse wurde zu mir verlegt und erzählte mir von ihm. 

Thomas hat mir diese Gegenüberstellung jahrelang nicht verziehen. Ich war für ihn derjenige, der ihn ins Gefängnis gebracht hat. Spätestens, als ich dann wegen des weißen Strichs erneut ins Gefängnis kam hatte sich sein Groll verzogen, wie ich nach meiner Entlassung wahrzunehmen glaubte. Und mit diesem Groll hatte sich offenbar auch seine komplette Erinnerung an die damalige Gegen-
überstellung aus seinem Gedächtnis verflüchtigt, denn als ich ihn erst jüngst  darauf ansprach, konnte er sich an nichts erinnern. Seltsame Aufarbeitung. Wie will man etwas aufarbeiten, wenn einem zu rele-
vanten Ereignissen, deren Aufklärung man sogar selbst unbedingt voranbringen will, das zeitbezeugende Gedächtnis fehlt.

Gewissen-Haft

Frank Wilmann glaubte bis 2010, ich würde seit dieser Gegenüber-
stellung ein schlechtes Gewissen haben, von dem er mich  nun durch die Nachricht, Jürgen Onißeit habe die Sprühakteuere damals ver-
raten, entlasten könne. Schlechtes Gewissen? Wir wußten, was wir taten, wenn wir etwas nach DDR-Gesetz Illegales  taten. Wir wussten auch, daß jeder bei der Anstrengung, dem Druck und den Taktiken der Vernehmer erfolgreich standzuhalten, an seine Grenzen gehen würde, wenn er durch Aktionen anderer in die Verhörmühlen des MfS geriet. Wenn er dabei aus irgendeinem Grund am Ende scheiterte, war es ihm nicht vorzuwerfen und hatte seine Ursache auch nicht zwangs-
läufig in psychischer Anfälligkeit. Die Vernehmer  griffen ihr Gegen-
über auf ganz unterschiedlichen Ebenen an und spekulierten auf lo-
gische Fehler und Widersprüche  ebenso wie auf physische und psy-
chische Zusammenbrüche. 

Wir wussten zudem, daß wir in einer Diktatur lebten und wir deshalb das, was uns akut in Schwierigkeiten bringen würde, möglichst für uns zu behalten hatten, ohne daß unser Gefühl von Offenheit da-
runter leiden müsste. Es wäre nur eine Frage des nüchternen Um-
gangs mit solchen notwendigen Gheimhaltungen.
Von unseren zum Boykott der Kommunalwahlen aufrufenden Flug-
blättern haben wir vier Täter (und wir waren Täter im tätigsten, tatendrängendsten und gesetzebrechendsten Sinn des Wortes) niemandem in Weimar jemals etwas erzählt. Es war die Abhörwanze, die uns letztlich verraten hat. Zwischen Konspiration und Indiskretion gab es einen Mittelweg. Er sah so aus, daß man -Eitelkeit und entspannter Offenheit zum Trotz- von seinen Aktivitäten dasjenige lieber für sich behielt, was zu einem ernsthaften juristischen Problem führen könnte. 

Dokumentations-Lücken

Im Film "Striche ziehen" wird mit keinem Wort diese damalige Ge-
genüberstellung erwähnt. Als ich Thomas Onißeit schriftlich darauf ansprach, konnte er sich wie erwähnt nicht mehr daran erinnern, was ich zwar nicht anzweifeln möchte, aber angesichts der erklärten Absicht, die Vergangenheit aufarbeiten zu wollen, ziemlich dürftig halte, Vielleicht hat ihn die mit Schock und bitterer Erkenntnis einhergehende Enttarnung seines Bruders bei der Sicht auf diese Ereignisse so in seinem Blickwinkel vertunnelt, daß sich andere Aspekte des Geschehens um seine Verhaftung völlig verflüchtigten. Und Frank Willmann? Er hat sein Wissen offenbar einfach unter den Tisch fallen lassen, denn er hatte ja jetzt in Jürgen Onisseit den Verräter, der allein vollumfänglich verantwortlich gemacht werden konnte. Oder er glaubte, daß mit Jürgen Onißeits Täter-Mutmaßungen alle anderen Bestandteile der MfS-Aufklärung letztlich unerheblich für den Ermittlungserfolg wurden.

Für das MfS - wie für jede Aufklärungsbehörde-war nicht allein eine Aussage relevant, sondern bedeutete jede Aussage ein Teil in einem Aufklärungspuzzle. Komfortabler und letztlich auch spektakulärer ist es aber, einen Sündenbock auszumachen und sich dann auf diesen zu focussieren. So wird auf einem im Namen der Aufarbeitung produ-
zierten Film im Grunde dessen Gegenteil, wie meiner Meinung nach auch folgendes Beispiel zeigt. Daß sich Jürgen Onißeit in seinem damaligen Doppel-Leben in einer schizophrenen Situation befand wird ihm von Gerd Kroske mal eben einfach öffentlich abgesprochen, weil es keine ärztliche Diagnose gäbe. Selbstverständlich handelt sich bei dieser Art Schizophrenie um keinen psychopathologischen Befund, sondern einen Situationsbefund, der durch inneres  Spaltungsver-
halten gekennzeichnet ist und den Betroffenen zu Selbsttäuschung, Abspaltung oder Harmonsierungsleistung nötigte: Entweder das Doppelleben unter einen Hut bringen oder gleichzeitig zwei Hüte aufsetzen. Die Gespaltenheit der Situation wird so zu seiner eigenen. Man spricht ja häufig davon, daß sich jemand in einer schizophrenen Situation befindet oder sich völlig schizophren verhält. Nie wird damit ein Zustand gemeint, der identisch ist mit dem, der in einer psychia-
trischen Diagnose ausgedrückt ist. Genau diese nichtmedizinische Auslegung des Begriffs blendet Kroske einfach aus, legt stattdessen strenge psychomedizinische Maßstäbe an, um Onnes Selbstwahr-
nehmung als schizophren handelnde Person als  einen Versuch zu betrachten, sich herausreden zu wollen. In der künstlich erzeugten Atmosphäre des Gewissens sind alle Erklärungsversuche per se Versuche, sich herausreden zu wollen. Ein Interpretationsvorgang, der
ähnlich dem in unserer Gegenwart ist,welche zunehmend und das
geradezu seuchenhaft nur noch Vorteilsabsichten in den Handlungen von Menschen erkennt. Erklärung, Entschuldigung, Kompromißbereit-
schaft können so nicht länger auch in einer selbstvorteils-unabhängi-
gen Ethik gründen, sondern werden generell und das oft ganz selbst-
verständlich und ohne moralischen Vorwurf als Taktikhandlungen des Egoismus verstanden.
 

Gerade die ehrlich gemeinte Radikalität seiner Gesellschaftsverwei-
gerung wäre mit der Person des Stasi-Informanten gar nicht anders möglich als durch die Spaltung in zwei voneinander strikt getrennte Welten. Bizarrerweise sind gerade diejenigen schnell dabei, schi-
zophrenes Verhalten unter  psychiatrische Maßstäbe zu stellen, die selbst mal eben von "traumatisert" sprechen, wie z.B. in meinem Fall der damaligen Inhaftierung, die man als im genuienen Sinne trauma-
tisierend bezeichnet.  Obwohl nach psychopathologischen Maßstä-
ben ein Trauma nur dann vorliegt, wenn sich das traumatisierende Ereignis in häufigen Albträumen wiederholt. Ein Vorgang, der bei mir bezüglich meiner beiden Verhaftungen nie aufgetreten ist.

Die Wiederholungen des Frank Willmann

Wie er es bereits in seinem Buch getan hat, belügt Frank Willmann das Publikum auch in Kroskes Film, hier allerdings noch etwas hef-
tiger. Einmal erklärt er wider die Tatsachen, daß er seinen Ausreise-
antrag deshalb gestellt hätte, weil seine Freunde aus der Sprüher-
gruppe gerade zu Haftstrafen verurteilt worden waren (wurden sie aber erst ein halbes Jahr nach seinem Ausreiseantrag)  und er sich daher nicht länger in Gefahr begeben wollte, zumal die Stasi laut Willmann offenbar nun bereits bei Kleinigkeiten zuschlug. Öffentlich -wie die „Spraydosen-Botschafter“- zu fordern, aus dem Staat Gur-
kensalat zu machen, Widerstand zu leisten und zurückzuschlagen ist in einer Diktatur durchaus keine Kleinigkeit. Wenn solche Artikula-
tionen direkt in die Untersuchungshaft führen schließen nur Leute, die von der Realität keine Ahnung hatten oder sich –heutzutage- im trägen Deutungs-Mechanismus von „Aufarbeitungen“ befinden, daß das MfS mit solchen Verhaftungen anzeigte, daß es dazu überge-
gangen war, Menschen bereits wegen Banalitäten zu inhaftieren.
Daß solche Verhaftungen trotz ihrer eindeutigen Gründe ein all-
gemeines Verunsicherungsgefühl verstärkten ist damit ja nicht bestritten, man sollte aber das eine vomanderen unterscheiden und
diesen Unterschied benennen.

Frank Willmann fügt der oben genannten Unwahrheit noch die hinzu,  daß von den zahlreichen Freunden, die inhaftiert waren, viele gebro-
chen aus dem Gefängnis gekommen wären und er deshalb durch ei-
nen Übersiedlungsantrag in die BRD diesem drohenden psychischen Schicksal entkommen wollte. Die Wahrheit jedoch ist, daß zum Zeit-
punkt seines gestellten Ausreiseantrages gerademal 2 Personen aus der aktuellen Weimarer Subkultur Inhaftiert gewesen und seit Mona-
ten wieder entlassen waren. Es handelte sich um die beiden Wehr-
dienstverweigerer J.G. Fischer und J.Onißeit. Beide sind nicht g0e-
brochen aus dem Gefängnis gekommen. Selbst wenn dies der Fall gewesen wäre, würde es sich weder um sehr viele Gefangene noch gar um viele gebrochen aus der Haft entlassene Gefangene handeln. So also geht Aufarbeitung ! 
Ganz nebenbei suggeriert es, daß DDR-Haft bei einem Großteil der Opfer zu einem Bruch der Persönlichkeit führte. An anderer Stelle erklärt Frank Willmann, man hätte Jürgen Onisseit ja nicht vor ein Tribunal "zerren"wollen, sondern nur wissen, warum er sich damals mit dem MfS eingelassen hat. Das hatte Onne Willmann aber nach seiner Enttarnung längst erklärt. Willmann behauptet im Film aber das Gegenteil und kommentiert es so, daß er, wenn sich Onne dieser Frage entziehe, es dann eben auf seinem Waldgrundstück „verschim-
meln“ solle. Mal abgesehen von der abstoßenden Wortwahl suggeriert Frank Willmann hier publikumsheischend, daß J.Onisseit ohne Kon-
takte zu seinen früheren Weimarer Freunden – von denen  er in den letzten 20 Jahren ohnehin nur noch wenige und das zudem selten gesehen hatte- sozial völlig isoliert sei und seine Frau Anett im Grunde gar nicht existiere. Zum zweiten geht er einmal mehr nur von sich und seinen Lebensvorstellungen aus. In der Natur zu wohnen ist in der Regel die Folge einer bewußten Entscheidung für ein solches Leben. Onne und seine Frau hatten das bereits lange vor und ganz unabhängig von seiner späteren Enttarnung so gewählt, wobei beide schon allein durch ihre Arbeit zahlreiche Sozialkontakte haben, also diesbezüglich nicht „verschimmeln“ müssen.
Die Erwähnung des Tribunals fungierte ohnehin nur als sowieso völlig unrealistische Extremkulisse, die durch Vergleich (Willmanns Vorlie-
be) die eigenen Absichten als gutgemeinte Gesprächsbereitschaft erscheinen lassen sollte. Doch die Gesprächsbereitschaft bestand in der Aufforderung zum Geständnis und zur Antwort darauf, warum er sich mit dem MfS eingelassen hatte. Dies hatte er aber längst erklärt, nachdem ein Dementi nichts mehr nützte.
Das Tribunal fand im Grunde dann also doch statt, nämlich durch den vergeblichen Versuch, das Ausbleiben des gewünschten Verhaltens mit vor der Kamera ausgesprochener sozialer Isolierungs-Kon-
sequenz  („dann muß er halt in seinem Wald verschimmeln“) zu bestrafen, was um so  konstruierter wirkte, weil diejenigen, die Onne auf diese Weise für seine angebliche Ungeständigkeit strafen wollen sowieso seit einem Vierteljahrhundert keinen oder seltenen Kontakt zu ihm gehabt hatten. Zudem habe sich Onne in dieses Waldgrund-
stück deshalb zurückgezogen, um nicht behelligt zu werden, da er befürchten mußte, enttarnt zu werden. Willmann und Kroske zeigen sich öffentlich fest davon überzeugt. Es fragt sich, warum Jürgen O. dann erst über 15 Jahre nach Mauerfall aus Berlin weggezogen ist, wo seine Enttarnung doch seit 1989/90 jederzeit zu erwarten gewesen war. Da hätte es, wenn das Traumgrundstück noch nicht gefunden war, ein Umzug in eine andere Stadt doch auf jeden Fall schonmal getan, um der Konfrontation mit seiner Vergangenheit zu entgehen.
 

Auch Willmanns Lebensgefährtin Hahn kann es im Film nicht lassen, auf ziemlich populistische Art und Weise, Jürgen Onißeit s Verhalten in die absolut verwerfliche Richtung zu interpretieren. Als er als Wehrdienstverweigerer im Gefängnis saß hätte er, so Hahn,  nur deshalb seine  Mithäftlinge nicht bespitzelt, weil er seinen "Arsch retten wollte“, und fügt hinzu, daß er sein Leben retten wollte. Zum ersten ist gar nicht bekannt, daß enttarnte Spitzel im DDR-Gefängnis getötet wurden, zum zweiten hatte die Stasi im Strafvollzug genauso Tarn- und  Schutzmöglichkeiten wie draußen, zum dritten war Jürgen Onißeit bei Antritt der Strafe im Straf-Vollzug vom MfS gar nicht kon-
taktiert worden, nachdem er sich bei einem Gespräch mit dem MfS in Untersuchungshaft dagegen ausgesprochen hatte, auf irgendeine informelle Weise für das MfS auch im Gefängnis tätig zu sein. Mit dieser Entscheidung wollte er  möglicherweise daraus ergebenden, für ihn in U-Haft noch gar nicht absehbaren Schwierigkeiten und Druck-
situationen von vornherein aus dem Weg gehen. 
Ich erinnere mich noch an eine Situation im Sommer 1983 in Weimar, als Onne  Wochen nach seiner Freilassung eines Tages bei der Kri-
minalpolizei vorsprach und die anwesenden Beamten mit zur Hand-
fesselung entgegengehaltenen Händen und der Aufforderung „Ver-
haftet mich!“ um seine Re-Inhaftierung anhielt. Er begründete es mir gegenüber damals so, daß er lieber im Knast sein wolle als die ihm zur Wiedereingliederung  aufgetragen Arbeit als Gartenzaunstrei-
cher noch länger auszuführen. Doch der wahre Grund war sicher-
lich vor allem der: Im Gefängnis akzeptierte das MfS seine Koope-
rationsunwilligkeit viel leichter als draußen. 
Inzwischen hat sein Bruder Thomas wieder Kontakt zu Jürgen und erkennt an, daß er sich für den Film zur Verfügung gestellt und dort auch erklärt hat. Auch wenn Kroske äußerte, die Mitwirkungswünsche gingen von J.Onisseit aus, der sich öffentlich erklären wolle, so war es doch auch gerade Kroskes Wunsch, Jürgen O. im Film dabei zu haben und ihn vor der Kamera mit seinem Bruder versuchsweise dialogisieren zu lassen. Kroske hatte, gerade weil er den Film um den angeblichen Bruderverrat hin zentrierte ein grosses Interesse an der Mitwirkung Jürgen Onißeits und wäre sicher enttäuscht gewesen, wenn sich Jürgen verweigert hätte. Er  stellte  es aber später so dar, als hätte er Jürgens dringendem Wunsch, sich zu erklären, seine medialen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt und ihn mit seinen ausgestreckten Mediatorenarmen willkommen geheißen.

„Ossi gucken“

In einer anderen Sequenz sieht man Frank Schuster  auf einem ehe-
maligen Mauer-Aussichtsturm. Während er von dort aus in einen fik-
tives realsozialistisches Ostberlin sieht, um den Blick der Berlin-
Touristen nachzuahmen spricht er davon, daß die damaligen Berlin-
Besucher auf diesen Aussichtstürmen nur "Ossi gucken", also einem Exotismus des kommunistischen Alltags- Grauens nachgehen wollten, der logischerweise weit entfernt war für reales Verständnis für die von der Todesgrenze in Gefangenschaft gehaltenen DDR-Bürger. Ohne es auszusprechen wird diese Aussage Frank Schusters durch den Film so akzentuiert, daß der weisse Strich sich auch gegen solches Touristen-Verhalten gerichtet hat, was jedoch real nicht der Fall gewesen ist. Einmal  abgesehen davon, daß man von so einem Turm Ossis, wenn überhaupt, dann nur als bewegte Punkte erkennen konnte, kann man Berlinbesuchern mangelnde Verständnisfähigkeit nicht deshalb vorwerfen, weil sie sich von so einem Turm aus den Todesstreifen ansahen. Selbstverständlich war beim Blick über die Berliner Mauer neben Abscheu und Entsetzen oft zugleich eine negative Faszination mit im Spiel. Was erwartet man von Men-
schen, die aus einem völlig anderen als dem realsozialistischen Lebensalltag kamen ? Gerade diese Aussichtstürme gewährten jedem, der es wollte einen Einblick in die organisierte Tödlichkeit hinter der Mauer und hielten damit den  Gegensatz zwischen Todes-
streifen und  Freiheit optisch am Leben.
Der plötzliche Perspektivwechsel aus der eigenen Selbstverständ-
lichkeitder Freiheit  und situationskonkret vom freien Westberlin aus in die Todegrenze verschaffte einen Erkenntnisgewinn über die eigene Käseglocke, in der man sich befand. Von unten aus betrachtet sah man nur die schöne bunte Mauer im Ambiente des westlichen Lebens und seiner Zeichen. 
Von oben, vom Aussichtsturm aus war man optisch mit  dem Todes-
streifen konfrontiert und reflektierte dadurch, in welcher Käseglocke man sich unterhalb der Mauer eigentlich befand. Auch der eklatante Widerspruch zwischen dem Westberliner Leben inklusive der exotisch wirkenden bunten Expressivität der Westmauer und der eiskalten schwarz-weiß anmutenden Todeslandschaft zwischen Ost-und Westmauer wurde auf dem Aussichtsturm schnell sicht-und im Idealfall auch fühlbar. Nur weil wir als Ex-DDR-Bürger eine tiefe Erfahrung von den dortigen Verhältnissen hatten, berechtigt das nicht, allen, die diese Erfahrung nicht und stattdessen völlig andere gemacht haben zu unterstellen, sie hätten sich auf den Aussichts-
türmen nur mit einem politischen Realo-Thrill vergnügt, auch wenn es sicher Menschen gab, bei denen diese Annahme zutreffen könnte.

Grepo Fittinger

Das "Grauen des Ostens" stellt in Kroskes „Striche ziehen“ zweifellos Grenzposten Fittinger dar. Der Blick des Zuschauers wird konfrontiert mit tiefen Augenringen und einer in bestimmten Affektaugenblicken immer noch sichtbaren Brutalitäts-Entschlossenheit, die den ganzen Verhaltens-Faschismus der selbsternannten Antifaschisten offenbart. Daß diese Person unter anderen Bedingungen mal mitleidloser Ver-
folger von Klassenfeindüberläufern gewesen ist  kann man sich an-
gesichts des noch im -nach seiner NVA-Entlassung einsetzenden- Militanz-Verfall sichtbaren Fascho-Potenzials sehr gut vorstellen. 
Wobei das, was Fittinger dann zu den damaligen Vorfällen äußert ganz ohne nostalgische Klassenkampfhärte auskommt und statt-
dessen von ihm recht entspannt artikuliert wird. Doch  auch Fittinger kann dem„Aufarbeitungs-Voodoo“ schlechter Gewissens-Mache offenbar nicht entkommen. So heuchelt er gegen Ende seiner Darlegungen die ehrliche Mitgefühlsabsichten vorspielende  Frage ins Mikrofon, wie es Hasch „denn heute so geht. Ich hoffe ganz gut.“ Dabei erübrigte sich diese Frage, weil Fittinger  längst wußte, wie es mir „heute so geht“, denn um die wahren Umstände der Verhaftungs-
situation aufzuklären hatte ich mit ihm in den Tagen nach Veröffent-
lichung von Willmanns Buch telefoniert, wobei wir auch über unser aktuelles Befinden sprachen. Die Heuchelei in dieser seiner in die Kamera  gestellten Frage bestand darin, daß er, offenbar um nicht als herzenskalter, reueloser Täter dazustehen,  den emotionalen Pflich-
ten eines solchen Aufarbeitungs-Films Genüge tun wollte und deshalb diese für ihn seit unserem Gespräch  überflüssig gewordene Frage stellte.

Interessant an Fittingers Auftritt im Film ist aber vor allem der As-
pekt, wie plötzlich jemand, der damals in völligem Rechtbewußtsein den ihm absolut notwendig erscheinenden Job der Grenzbewachung erledigte sich heute plötzlich in der Rolle wiederfindet, sich dafür irgendwie als böse selbstwahrnehmen und letztlich entschuldigen zu müssen, obwohl er getreu seiner steifen Sozialisation weiterhin aus Überzeugung loyal gegenüber den Zielen und Praktiken seiner damaligen Vorgesetzten ist, wie auch der ihm anzusehende Stolz beim Vorführen seiner zahlreichen militärischen Ehrenorden zeigt. Er fühlt sich gewissermaßen angehalten, ein gewisses Mitgefühl ge-
genüber seinen damaligen Opfern zu zeigen, die er aus weltan-
schaulichen Gründen wiederum aber gar nicht haben kann. Und so-
lange er seine unveränderte Gesinnung offen vertritt ist jede Empa-
thie gegenüber dem in dieser Gesinnung inbegriffenen Feind letztlich nur gespielt. 

Der angebliche „Strich durch die Rechnung“

Es war der DDR selbstverständlich lieber, die Westseite ihrer Mauer wäre ebenso deprimierend und einschüchternd grau geblieben, aber sie wußten auch, daß sie die Malereien nicht würden verhindern können. Eine graue hohe Beton- Mauer wirkt einschüchternder und brutaler als dieselbe, die bemalt ist mit all den Bildern und Botschaften, die Ausdruck von westlicher Großstadt, kultureller Freiheit und oft auch  von artikuliertem Protest gegen diese Mauer gewesen sind.
Wenn Willmann in Kroskes  Film vom weissen Strich als einem "Strich durch die Rechnung" spricht, so fragt man sich, welche Rechnung er meint. Der weisse Strich sollte darauf hinweisen, daß die Mauer eine Westberlin einschränkende Grenze und keine Staffelei ist und richtete sich dabei vor allem an die, die an die Mauer gemalt hatten. Es handelte sich eher um einen heftigeren Reflexions-Hinweis denn um Protest. Aber von einer Rechnung zu sprechen, die Mauermaler und Mauerbauer aufgestellt hatten ist Wunschdenken, um dem eigenen Tun eine symbolisch höhere Bedeutung zu verleihen als sie real hatte. Es gab eine solche Rechnung gar nicht, da es keine Be-Rechnung gab, die wiederum Voraussetzung für erstere gewesen wäre. Prämisse in der Weise, daß es zur berechnenden Absicht des Ostens gehörte, die Westmauer-Malereien als dem SED-Regime willkommene Optimierung der Mauerakzeptanz zu tolerieren.
Wenn dem so gewesen wäre, wie ist es dann zu erklären, daß die 
DDR-Grenzposten sich recht häufig an die Westseite der Mauer egaben und dort Malereien übermalten."Ja, des Nachts kamen gelegentlich Vopos über die Mauer, mit einer Leiter oder durch eines der seltenen Türchen in der Mauer....um Graffiti zu überwalzen mit der grauen Farbe des Betons. Denn Ordnung und Disziplin mußte sein"(Kurt Ausfelder in "Kunst oder Chaos?" Seite 25)
Ebenso malten die Mauermaler völlig ohne Be-Rechnung und ganz ohne Absicht einer durch bunte Bilderwelten erreichbare Toleranz der Mauer. Eher malten sie gegen die deprimierende Wirkung des grauen Einerleis an, was nicht automatisch zur Affirmation der Mauer führt,
da deprimierende Anlässe ganz unterschiedliche Reaktionen auslösen können: Einschüchterung und Niedergeschlagenheit einerseits,  Aggression und Motivation zur Zerstörung des deprimierenden Grundes andererseits. Also beendeten all die Mauermalereien neben der aggressionsprovozierenden auch die einschüchternde Wirkung des "antifaschistischen Schutzwalls".

Die Vegetation der urbanen  Zeichen auf Wänden, Zäunen, Rohren, Werbeplattformen, Fenstern hatte sich bis  zur Mauer vorgewuchert und repräsentierte die Expansivität eines  mehr oder weniger daseinsreflektierenden städtischen Zeichendiskurses. Statt dem Diktum der Funktionen nachzugeben, zweckentfremdete man sie einfach zu virtuellen Welten einer nicht bloß physisch und zweck-
orientiert wahrzunehmenden Wirklichkeit. Drastisch artikulierte Negationsabsicht gegenüber den zweckentfremdeten Objekten war dabei ebenso anzutreffen wie auf der anderen Seite die durch die
Lebendigkeit der Zweckentfremdungen einsetzende Alltags-Akzeptanz gegenüber diesen Objekten. Gegen den Teil, der eher zur Akzeptanz  
tendierte sollte der Strich ein reflexionsauslösendes Zeichen sein.
 
 

Unter vier(tausend) Augen

Gegen Ende des Films nimmt die Dramaturgie des Bruderkonflikts nochmal Fahrt auf und läßt den Streit zwischen Jürgen und Thomas ungeschnitten laufen. Warum die sich über Onnes Stasi-Einlassung ausgerechnet vor laufender Kamera überhaupt zum ersten Mal diesbezüglich auszusprechen versuchen befremdet und fühlt sich, wie ich schon weiter oben feststellte, emotional pervertiert an. Handelt es sich doch um eine so innerfamiliär sensible Angelegenheit, die im Grunde nur unter vier Augen ausgesprochen werden kann, was sie ja, nimmt man  den Blick der Kamera ein, im Grunde auch tut, nur daß man als Blickender dem Geschehen bereits weitere zwei Augen hinzufügt. Man nimmt also an einer „Intimität“ teil, die gar keine ist, eben weil man daran teilnimmt. Darin besteht der filmisch inszenierte Situationsbetrug dieser dokumentierten "privaten" Auseinanderset-
zung. 

Diese Auseinandersetzung gestaltet sich in "Striche ziehen" dann so, daß Thomas seinem Bruder Verrat vorwirft, dieser ihn aber nicht partout bestätigen will, da er nur unwissentlich Namen möglicher Sprühakteure gesagt habe. Thomas setzt nach, woraufhin Jürgen das Gespräch abrupt für beendet erklärt und sein Körper-Mikrophon abnimmt. Aber wer geglaubt hätte, die versuchte Aussprache sei nun tatsächlich beendet sieht sich getäuscht, denn die Auseinanderset-
zung setzt sich fort und das erst richtig, denn auf einer gegenseitig endlich von beiden akzeptierten Ebene der Unvereinbarkeit beider Positionen. Thomas bemerkt dann, daß auch eine Mutmaßung, gerade wenn sie von einem „Szene-Insider“ wie Jürgen kommt, letztlich ein so deutlicher Hinweis für das MfS bedeutet hat, daß sie einem Verrat gleichkommt, weil die so ins MfS-Visier geratenen Personen in den daraufhin stattfindenden Verhören derart verunsichert sind, daß sie ihre Tat letztlich nicht länger leugnen. 
Was Thomas sagt, ist aber nur Produkt (s)einer Nachbetrachtung, nachdem Onnes „Täter“- Mutmaßung zum Aufklärungs-Erfolg führte. Da sie sich nun als mit den aufzuklärenden Personalien synchron erwiesen hat ist der Sprung zum Verrat im Grunde nur noch ein Katzensprung. Doch die Mutmaßung hätte durchaus auch in die Irre führen können. Wäre es dann etwa ein Falsch-Verrat gewesen?
Es ist am Ende irgendwie verständlich, daß Jürgen einen Verrat nicht eingestehen will, weil er eben nicht Mitwisser dieser Aktion gewesen ist. Jedoch verweist die Tatsache, daß er seinen Bruder – entgegen der allgemeinen Behauptung vom Bruderverrat- der Stasi eben gerade
n i c h t genannt hatte, obwohl der ja auch verhaftet worden ist, da-
rauf, daß er vermutlich annahm, mit seinem Personenkreis-Ver-
mutung an das MfS vielleicht richtig zu liegen, aber seinen Bruder dabei verschonen wollte.  Letztlich kann sich Onne trotz damaliger Mutmaßungen, die er sicher nicht einfach bloß aus der Luft gegriffen hatte ganz komfortabel einreden, daß er nicht wirklich etwas gewußt und verraten hat.
Am Ende bleibt jedoch die Tatsache, daß nur Wissen verraten werden kann, Ahnungen und Vermutungen, auch wenn sie natürlich nicht bloß
aus heiterem Himmel geäußert werden. hingegen nicht.
Dies muß man akzeptieren und aushalten können. 

Die angeblich wahren Täter

In einer Szene des Films äußert Onne dem Regisseur Gerd Kroske gegenüber, daß der doch lieber die wahren Täter befragen solle und nicht ihn, denn er selbst sei bloß Opfer. Genau das ist er aber eben nicht, denn insofern er sich ohne Not eingelassen hat gehörte er zu jenem für eine Diktatur notwendigen Heer an Spitzeln, die gerade deshalb so elementar wichtig und effektiv für die Machterhaltung sind, weil sie das ihnen entgegengebrachte Vertrauen ihres sozialen Umfeldes ausnutzen können und mit ihrem MfS-Auftrag als normale Mitbürger mitten im Alltags-Leben agieren. Deshalb sind es genau sie, ohne die ein -noch ohne Internet- und Handy-Abschöpfung arbei-
tendes-  Überwachungssystem nicht jene Datendichte und grundsätz-
liche Einschüchterung generiert, durch die es seine absolute Macht festigt. Die Gewalt kann so im Verborgenen stattfinden, sodaß sie absoluter nicht sein könnte, während die öffentliche Konfrontation, 
so wie sie sich dann 1989 zeigte, trotz der teilweise  offen staats-
gewalttätigen Szenerie bereits ein Zeichen der Freiheit ist. Gegen die graue undtotale Ohnmacht eines vom MfS still und leise verhafteten Dissidenten ist das Blut eines während einer oppositionellen Kund-
gebung  vor laufenden Kameras zusammengeschlagenen Demon-
stranten einer öffentlichen Massen- Kundgebung, so paradox es klingt, ein Bild der Freiheit, eben weil es die Gewalt sichtbar macht und zu ihrer Veröffentlichung beiträgt.  Ganz so, als belichte es endlich die bestehenden Gewaltverhältnisse und beende damit die totale Finsternis der unsichtbaren Gewalten alltäglichen Schweigens und der Verbote. Geheimdienst-Informanten garantierten mit ihrer Tätigkeit die Stabilität dieser absoluten Gewalt,in der jeder sichtbare
Widerstand bereits im Vorfeld unterbunden wird. Denn die Sichtbar-
keit des Widerspruchs gegen ist für die Macht wie eine ansteckende Krankheit. Das Bild der Nichtidentität könnte gerade deshalb eine Epidemie des Widerspruchs auslösen, weil es bisher in Unsichtbarkeit gehalten wurde.

Daß Onne dann zunehmend in Bedrängnis geriet, weil er sich in der Möglichkeit, die Kontrolle über Maß und Präzision seiner Informanten-
tätigkeit zu behalten getäuscht hat, vielleicht auch täuschen wollte, macht ihn nicht zum Opfer, allenfalls zum Opfer seiner eigenen Illusionen über die Entscheidungsmöglichkeiten beim Tätigsein für das MfS, wobei es sich vermutlich statt um Illusionnen eher um Selbsteinredung gehandelt hat, die seine Entscheidung zur MfS-Mit-
arbeit ihm selbst gegenüber verharmlosen und beruhigen sollte.  Hatte er denn ernsthaft angenommen, er könne die Handlungskon-
trolle gegenüber so einem gewaltigen Überwachungsapparat tatsächlich behalten.  "Einfach erstmal ins Blaue hinein" war vermutlich die Devise, die jedoch schon bald in eine Art blaues Wunder mündete. 
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Wie man auch nach Filmende noch Regie über die Tatsachen führt.

„Weil er sich nicht für den Film zur Verfügung gestellt hat, gehe ich davon aus, daß Wolfram Hasch durch die damaligen Ereignisse seiner Haft einen Schaden abbekommen hat“ äußerte Gerd Kroske sinnge-
mäß bei Anfragen, die im Rahmen von Vorführungen seines Films danach an ihn gestellt wurden. So einfach ist das. 

Was für eine Logik ! Anders formuliert: „Wer sich für mein Projekt nicht zur Verfügung stellt, der hat Angst vor meinem Thema“. 
Möglicherweise fühlte sich Kroske gekränkt, daß seine auf Einfüh-
lungsvermögen orientierte Selbstidentität bei mir nicht den von ihm fest eingeplanten gewünschten Erfolg gebracht hat. Wie auch, ich hatte längst beschlossen, mit Frank Willmann niemals mehr in einem gemeinsamen Projekt aufzutreten, seitdem ich sein Buch gelesen hatte. Doch während die anderen, denen ich seit Lektüre von Will-
manns Dokumentation und auch wegen der zunehmenden Ereignis-
Überbewertung absagte, diese Entscheidung  ohne solche erfundenen drastischen Schlußfolgerungen akzeptierten ist es für Gerd Kroske vermutlich einfach nicht hinnehmbar, daß man seiner „wie im Stras-
senbau den Boden unter dem Asphalt freilegenden“( sinngm. Zitat Kroske) Arbeitsweise widersteht. Das ist der eine Grund. Der andere ist neben dem Bemühen um hundertprozentig harmonischen Eindruck der, daß er jemandem wie Frank Willmann, der ihm letztlich dieses großartige Filmprojekt über einen Bruderverrat durch seine Buchveröf-
fentlichung erst eröffnet hat, nun nicht in die Pfanne hauen möchte. Denn vor allem Frank Willmanns Zensur des bereits erwähnten Fotos und seine mit auch faktischer Unwahrheit operierende Selbst- und Milieu-Stilisierung seiner Vergangenheit war Ursache meiner Nicht-
teilnahme an Kroskes Film. Gründe die man zumindest andeutungs-
weise hätte erwähnen können und sei es in der diffusen Weise, daß Wolfram Hasch mit Frank Willmann ein Problem hat und daher mit ihm nicht gemeinsam öffentlich erscheinen möchte.
Ich hatte Gerd Kroske von vornherein die Teilnahme abgesagt, ihm aber zumindest angeboten, bei Bedarf für kleinere Auskünfte bei der Informationrecherche und zur Freigabe meiner Stasiunterlagen zur Verfügung zu stehen, woraufhin er mich einfach für seinen Film ein-
plante, bis ich den Stecker zog, als es keinen Zweifel mehr gab, daß aus dem kleinen Finger die ganze Hand werden sollte.

Bis zum Lesen von Hahn/Willmanns Buch hatte ich – aller Thema-
Wiederholungsmüdigkeiten zum Trotz  "Spiegel", WDR, FAZ,RBB, Deutschlandfunk und Frank Willmann Interviews gegeben, zudem für Willmanns Buch einige Abende an einem durchaus  vergangenheits-
reflektierenden Text gesessen. Auch hatte ich in der ehemaligen
Haftanstalt Bautzen II an einem Podiumsgespräch in dem dortigen teilgenommen. Reichte das nicht, um die Vermutung von Berüh-
rungsängsten mit der Vergangenheit eher aus- als einzuräumen? 
 
 

 


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